Grußwort von Erzbischof Stephan Burger

Als am 15. Mai 1891 die Enzyklika „Rerum novarum“ von Leo XIII. veröffentlicht wurde, in der er sich in grundsätzlicher Weise zu den sozialen Fragen der Industriegesellschaft äußerte, sorgte er damit weit über den Raum der katholischen Kirche hinaus für Aufmerksamkeit und Aufsehen. Die Kirche war gefordert, zur Arbeiterfrage Stellung zu beziehen und sich gegen Hunger und Elend, Ausbeutung und soziale Unsicherheit vieler Arbeiter und ihrer Familien einzusetzen.

Seither sind 125 Jahre vergangen und die Arbeitswelt hat ich radikal verändert. Die damalige Arbeiterfrage hat sich in den hochentwickelten Ländern weitestgehend gelöst. Wir sprechen heute von der Arbeit 4.0. Doch damit verbunden sind neue Herausforderungen und Fragestellungen, die auch Papst Franziskus immer wieder benennt, wenn er darauf hinweist, dass die Wirtschaft dem Wohl aller Menschen zu dienen hat und nicht den egoistischen Interessen einiger weniger. Er zeigt auf, wie eng unser eigenes Handeln verbunden ist mit unserer Verantwortung für die Schöpfung und unserem Einsatz für eine globale Gerechtigkeit, die Frieden schafft.

Insofern ist auch 125 Jahre nach der Veröffentlichung der Enzyklika „Rerum novarum“ noch viel zu tun. Der christliche Glaube fordert unseren sozialen Einsatz. Erheben wir die Stimme und mischen wir uns in den gesellschaftlichen Diskurs zum Wohl der Menschen ein.

So bin ich dankbar, dass sich die 8. Kurpfälzer Sozialtage diesen Fragen stellen, und wünsche allen Mitwirkenden und Besucherinnen und Besuchern anregende Impulse, tiefgehende Gespräche und bereichernde Begegnungen.

Erzbischof Stephan Burger